background img
1424 Views

Alarm im Darm

Autor:

Kennen Sie das: Am Abend ist der Bauch so aufgebläht, dass die Hose nicht mehr passt. Entweicht die Luft, geht es einem schon gleich besser, doch immer wieder quälen Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall oder auch Verstopfung. Auch Magendrücken, Sodbrennen oder Übelkeit kann einem das Essen sehr vermiesen.

Magen- und Darmbeschwerden nehmen in der Bevölkerung rasant zu. Fast jeder Vierte meldet gelegentlich oder regelmäßig Probleme des Verdauungstraktes. Eine gute Diagnostik hilft zielgerichtet weiter, dem Übeltäter auf die Spur zu kommen. Sogenannten diagnostischen „Atemteste“ werden von vielen Gastroenterologen, Fachkliniken oder allergologischen Fachpraxen angeboten und ermöglichen es die Beschwerden besser zuordnen zu können. Die am häufigsten darüber gefunden Probleme sind die Fruktosemalabsorption, Sorbit- oder Laktoseintoleranz. Gelegentlich werden aber organische Ursachen aufgedeckt, wie Pankreatitis, Autoimmunerkrankungen, Gallenprobleme, Darmentzündungen oder Allergien. Auch ein Reflux, eine Ösophagitis oder Gastritis können bei einigen Patienten mit starken Beschwerden einhergehen.

Bei positivem Befund erhalten viele Patienten eine Empfehlung zur Ernährungsumstellung. Je nach Gesamtumstand gelingt das in Eigenregie, aber insbesondere bei Mehrfachdiagnosen ist die Beratung in einer ernährungstherapeutischen Praxis eine große Hilfe für die Betroffenen. Die häufigste Frage lautet: „Was darf ich denn jetzt überhaupt noch essen??“

Bauchbeschwerden sind oft mehrschichtig

Das Surfen im Internet führt häufiger zu widersprüchlichen Informationen oder beängstigenden Perspektiven. Das erklärt sich schnell: Bauchbeschwerden sind oft mehrschichtig in ihrer Ursache. Kein Betroffener ist wie der andere.

In der individuellen Ernährungstherapie macht sich der Therapeut/die Therapeutin zunächst ein ganzheitliches Bild von dem Problemkontext. Eine in der Regel kurze Karenzphase gibt Klarheit über die Übereinstimmung der Diagnostik mit dem Beschwerdebild. Danach wird schrittweise wieder eine ausgewogene, nährstoffsichernde Mischkost eingeführt. Oft unumgänglich ist dabei das Führen eines umfassenden Ernährungs-Beschwerdeprotokolls.

Kann der sogenannten funktionalen Störung des Darmes keine eindeutige Ursache zugeordnet werden, sprechen die Mediziner häufig von einem „Reizdarm-Syndrom“(RDS). Auch dieser profitiert von einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils. Empfehlungen zu den Trinkgewohnheiten, zum Essverhalten und zum Umgang mit Stress können hier mit in die Therapie einfließen.

Zunehmend häufen sich die Erkenntnisse, dass auch eine ungünstig aufgestellte Darmflora (Mikrobiota) zumindest als Mitverursacher wirkt. Auch da kann eine gezielte Ernährung ein verbessertes Gleichgewicht der Bakterien mitgestalten.

Ein großes Risiko gehen Menschen ein, die sich bei Magen-Darmbeschwerden zu lange zu einseitig ernähren. Das kann aus Angst vor dem Wiederauftreten der Beschwerden durchaus kurzfristig als beste Lösung wahrgenommen werden. Doch langfristig ist es ist keine Lösung, denn der Köper lernt so nicht sein Darmtätigkeit zu optimieren. Ich empfehle sehr, die von vielen erfahrenen Therapeuten empfohlene Aufbaukost ernst zu nehmen und je nach Art der Unverträglichkeit nach angemessener Zeit kleine Mengen der bisherigen Übeltäter wieder einzuführen. Eine gute Mahlzeitenzusammenstellung lässt dies oft gelingen.

Teile mit uns Deine Erfahrungen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.