background img
1194 Views

10 Tipps für die Ernährung in den ersten Lebensmonaten

Autor:

10 Tipps für die Ernährung des Säuglings in den ersten Lebensmonaten

Hurra, Ihr Baby ist da! Nun stehen Sie vor der nächsten großen Herausforderung: Wie ernähre ich mein Kind richtig, um ihm einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Sicher haben Sie jetzt einige Fragen:

  • Wie sieht eine gesunde Ernährung für mein Kind aus?
  • Wie lange sollte gestillt werden?
  • Welche Flaschennahrung oder Beikost ist am besten geeignet?

Sie als Eltern erhalten hier einige Antworten in Form von Tipps, die diese Fragen beantworten.

Tipp Nr.1 – Stillen: Das Beste für Mutter und Kind

Muttermilch ist die beste Ernährungsform für Ihr Kind. Stillen wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus.

Wie lange und oft sollte gestillt werden?

Um eine emotionale Bindung von Mutter und Kind zu festigen, ist es am besten, wenn Sie Ihr Kind innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt anlegen. Wie oft Sie stillen und wie lange, richtet sich immer nach dem Bedarf Ihres Kindes. Sinnvoll ist es, wenn Sie Ihr Kind in den ersten Lebenswochen 10 – 12 Mal innerhalb von 24 Stunden anlegen. Wenn Ihr Kind eine geringe Gewichtszunahme zeigt, müssen Sie Ihr Baby zum Stillen wecken.
Die Einführung in die Beikost beginnt ab dem 5. Lebensmonat. Sie können Ihr Kind bis zum ersten Lebenshalbjahr stillen. Auch für Kinder mit einem erhöhten Allergierisiko ist es empfehlenswert, wenn Sie bis zum 5. Lebensmonat stillen. Wenn Sie sich für das teilweise Stillen ihres Kindes entscheiden, bedeutet dies, dass Ihr Kind teilweise gestillt und teilweise mit Säuglingsmilchnahrung gefüttert wird.

Tipp Nr. 2 – Säuglingsmilchnahrung anstatt Stillen

Wenn Sie nicht Stillen möchten oder können, dann ist auf die industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung zurückzugreifen. Eine Selbstherstellung aus Milch z. B. aus Kuh-, Ziegen-, Schafs oder Stutenmilch ist aus hygienischen Gründen und an einem Mangel an Nährstoffen nicht zu empfehlen.

Säuglingsanfangs und Folgenahrung – welche ist die Richtige für mein Kind?

Es wird in zwei Säuglingsmilchnahrungen unterschieden. Sie sind als „Pre“ und „1“ Nahrung im Handel erhältlich. Diese beiden Säuglingsmilchnahrungen sind von Geburt an bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres zur Fütterung geeignet.

Die Folgenahrung wird in „2“ und „3“ im Handel angeboten. Diese Nahrung ist als Ergänzung in der Beikost gedacht. Ob eine Notwendigkeit besteht, sind sich die Experten noch uneins. Die Folgenahrung kann zu Beginn der Beikost eingeführt werden (frühestens mit Beginn des 5. Lebensmonats). Rechtlich gesehen sollte die Folgenahrung aber erst nach dem 6. Lebensmonat, also mit Beginn des 7. Lebensmonats eingeführt werden. Folgenahrung ist kein Ersatz der Muttermilch, die in den ersten 6 Lebensmonaten gegeben werden sollte. Jedoch in Zusammenhang mit der Beikost ist die Einführung der Folgemilch kein Problem.

Tipp Nr. 3 – Sojaproteinisolaten bei Erkrankungen Ihres Kindes

Leidet Ihr Kind an einer Erkrankung wie z. B. angeborene Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Stoffwechselerkrankungen oder haben Sie religiöse oder ethnische Überzeugungen, dann kann auf Sojaproteinisolate zurückgegriffen werden. Sojaproteinisolate sind aber nicht zur Therapie und Vorbeugung von Kuhmilcheiweißallergie geeignet. Auch zur Vorbeugung von Spucken, Speien, Säuglingskoliken und dem verlängerten Schreien sind Sojaproteinisolate (Säuglingsmilchnahrung mit Sojaproteinisolate) nicht zu empfehlen.

Verwendung von Spezialnahrung

Verwendung nur nach ärztlicher Rücksprache. Diese Nahrung besteht aus hochgradigen Proteinhydrolysate. Das bedeutet: Die Proteine (Eiweiße) werden gespalten und können somit leichter vom Körper aufgenommen werden. Verwendung finden diese bei Erkrankungen wie z. B. bei Phenylketonurie (PKU angeborene Stoffwechselerkrankung), Antirefluxnahrung (bei Säuglingen mit erhöhter Spuckneigung). Diese Spezialnahrung ist auch zur Therapie von Nahrungsmittelallergien geeignet.

Tipp Nr. 4 – Pro- und Präbiotika Nahrung bei Allergien und Infektionen

Säuglingsmilchnahrung, die mit Pro oder Präbiotika zugesetzt sind, können in Hinblick auf Allergien und Infektionen eingesetzt werden. Allerdings ist die Datenlage, wie sich Pro – und Präbiotika Produkte auswirken, sehr widersprüchlich. Die Schutzeffekte im Hinblick auf Allergien und Infektionen sind nicht zweifelsfrei belegt.

Tipp Nr. 5 – HA Säuglingsnahrung (Hypoallergene Säuglingsnahrung) bei erhöhtem Allergierisiko

Bei Säuglingen, die ein erhöhtes Allergierisiko aufweisen, empfiehlt es sich im ersten Lebenshalbjahr eine HA Säuglingsnahrung (Hypoallergene Säuglingsnahrung) zu verwenden. Bis zu Beginn des 5. Lebensmonats sollte dies die alleinige Nahrung sein. Für eine HA Nahrung kommen auch Säuglinge infrage, deren Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind.

Tipp Nr. 6 – Bei der Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung auf die Hygiene achten

Bei der Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung spielt die Hygiene eine große Rolle. Besonders gefährlich ist die Vermehrung von gesundheitsgefährdenden Bakterien wie Escherichia coli und Salmonellen. Achten Sie darauf, dass die zubereitete Nahrung nicht zu lange stehen bleibt. Vermeiden Sie auch Milchnahrungsreste, diese sind sofort zu entfernen und nicht wieder aufzuwärmen.

Tipp Nr. 7 – Einführung der Beikost frühestens zu Beginn des 5. Monats

Die Beikost sollte frühestens zu Beginn des 5. Lebensmonats und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats eingeführt werden. In diesem Zeitraum ist es sinnvoll noch weiter zu stillen, oder die Säuglingsmilchnahrung zugeben. Allerdings kann der Zeitpunkt, indem vom Stillen zur Beikost übergegangen wird, sehr individuell sein. Dieser Zeitpunkt richtet sich nach der Entwicklung Ihres Kindes. Der Ernährungsplan richtet sich nach den Empfehlungen des Forschungsinstitutes für Kinderernährung Dortmund (FKE). Der erste Brei, der nach diesem Plan eingeführt wird, ist der sogenannte Gemüse – Kartoffel – Fleischbrei. Bis zur nächsten Einführung vergeht jeweils ein Monat. Die weiterfolgenden Breie sind: Milch – Getreidebrei und der Getreide – Obst Brei. Auf eine gewisse Abwechslung sollte bei der Auswahl an Breien geachtet werden. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Verschiedene Gemüse- und Obstarten auswählen (z. B. Pastinake, Fenchel, Karotten, Banane, Birne)
  • Kombinieren Sie auch beim Gemüse – Kartoffel – Fleischbrei mit kleinen Mengen an Nudeln oder Reis
  • Gelegentlich fettreichen Fisch anstelle von Fleisch wählen

Tipp Nr. 8 – Zöliakierisiko (Glutenunverträglichkeit) – zu Beginn der Beikost Fütterung auch kleine Mengen glutenhaltiges Getreide einführen

Führen Sie zu Beginn der Beikostfütterung kleine Mengen an glutenhaltigen Getreide (z. B. Weizen, Hafer, Roggen, Dinkel, Grünkern, Gerste) ein. Damit können Sie das Risiko für Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) um 50% senken. Am besten führen Sie Gluten ein, wenn Sie noch stillen.

Tipp Nr. 9 – Getränke in der Beikost frühestens ab dem 7. Monat

Ihr Kind benötigt zusätzliche Flüssigkeit, wenn der dritte Beikost Brei (Getreide – Obst – Brei) eingeführt wurde. Eine Ausnahme stellt ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf wie Fieber und Durchfall dar. Sie können Ihrem Kind das Getränk in einem Becher oder Tasse anbieten. Um Zahnschäden zu vermeiden, sollte Dauernuckeln und die „Flasche zum Einschlafen“ vermieden werden. Als Getränk eignet sich am besten Trinkwasser (Leitungswasser), als Alternative ungesüßte Kräuter und Früchtetees. Wenn Sie Trinkwasser verwenden möchten, müssen Sie auf folgende Punkte achten:

  • Wasser solange ablaufen lassen, bis es kalt aus der Leitung fließt. Um mögliche Bakterien abzutöten, können Sie das Wasser abkochen und auf ca. 30-40 Grad abkühlen lassen, um Verbrühungen zu vermeiden.
  • Kein Trinkwasser aus Blei oder Kupferleitungen verwenden
  • Wasser aus Hausbrunnen nur nach Prüfung der Eignung
  • Im Handel gibt es auch Wasser, das den Hinweis trägt: „Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“

Tipp Nr. 10: Drei wichtige Nährstoffsupplemente benötigt Ihr Kind

Im ersten Lebensjahr benötigt Ihr Kind vor allem die Vitamine K und D sowie Fluorid. Die Nährstoffsupplemente im Überblick:

  • Vitamin K: 3 x 2 mg als Tropfen bei den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen U1, U2, U3
  • Vitamin D: 400-500 IE/Tag ab der 2. Lebenswoche
  • Fluorid: als Tablette, in der Regel 0,25 mg/Tag (in Form von fluoridierter Zahnpasta nicht zu empfehlen)

Weitere Tipps:

Empfehlungen für Kinder mit Allergierisiko

Es gibt keine Empfehlungen für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko in der Beikost. Der Start der Beikost sollte auch frühestens ab dem 5. Lebensmonat und spätestens zu Beginn des 7. Lebensmonats eingeführt werden. Eine späte Einführung von Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, bietet keinen Allergieschutz. Allerdings gibt es Hinweise, dass der Verzehr von Fisch im ersten Lebensjahr einen schützenden Effekt auf die Entstehung von atopischer Erkrankung (Erkrankungen mit allergischer Reaktion) hat.

Selbstgekocht oder Gläschen Kost?
Ob Sie die Beikost selbst zubereiten oder sich für die Gläschen Kost entscheiden, liegt ganz bei Ihnen. Selbstgekocht hat den Vorteil, dass Sie die Zutaten selbst bestimmen können und somit eine größere Auswahl und Abwechslung in der Beikost haben. Somit können Sie die Akzeptanz von neuen Lebensmitteln fördern. Gläschen Kost spart Zeit und Arbeit, enthält alle wichtigen Nährstoffe, die in hohen gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden müssen.

Wenn Sie ausschließlich Gläschen Kost verwenden, empfiehlt es sich gelegentlich selbstgekochte Kost mit einzuplanen, um die Geschmacksvielfalt zu erhöhen.

Darf Kuhmilch in der Beikost verwendet werden?

Kuhmilch (Trinkmilch) sollte nur in kleinen Mengen als Zutat in Milch – Getreide –Brei verwendet werden. Als Getränk erhält Ihr Kind Kuhmilch erst am Ende des 1. Lebensjahres im Rahmen der Brotmahlzeit. Roh – und Vorzugsmilch sollte nicht verwendet werden.

alexandra_schuster_banner

Stichwörter:
Kategorien:
Alexandra Schuster

Teile mit uns Deine Erfahrungen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.